Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder

Der Lehrer Heinrich Geyer nimmt herumstreunende Kinder in seine Familie auf

Im Jahre 1840 kam Heinrich Geyer nach Dinkelhausen bei Uslar, um seinen Dienst als Schullehrer anzutreten.  ...

Bereits kurz nach seiner Versetzung  nahmen Geyer und seine Frau ein armes verwahrlostes Mädchen von der Straße in ihre kleine Lehrerwohnung auf, um es zu einer tüchtigen Magd auszubilden.

 

Der Schulraum befand sich zu dieser Zeit im Erdgeschoss der Dinkelhäuser Kapelle neben dem Gottesdienstraum, die Lehrerwohnung im oberen Stockwerk. Sie bestand aus vier winzigen, niedrigen Räumen. Einer der Räume – er maß sieben Quadratmeter – war als Unterkunft für die aufgenommenen Kinder vorgesehen.

Bis 1843 nahm Geyer weitere Kinder von der Straße in seine kleine Dienstwohnung auf, überwiegend gegen ein geringes Kostgeld oder bei großer Armut ohne Kostgeld. Angesichts der sich weiter verschlechternden wirtschaftlichen Lage reifte in Geyer der Gedanke heran, eine Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder zu gründen. Auf dem Gebiet des gesamten Königreichs Hannover gab es zu dieser Zeit keine entsprechende Einrichtung, die sich der herumstreunenden und verwahrlosten Kinder annahm. Im August 1843 hatte Geyer bereits drei Mädchen und sechs Jungen  aufgenommen, so dass die Wohnsituation für alle unerträglich geworden war und dringend Abhilfe geschaffen werden musste. „Das beschränkte Zusammenleben in der kleinen Hütte wurde immer bedrückender“ schreibt er in einem Schriftstück. Er sah keine Möglichkeit mehr, in Dinkelhausen die Idee einer Rettungsanstalt zu verwirklichen. Deshalb bemühte er sich um eine Versetzung nach Volpriehausen. Dort stand der ehemalige Kötnerhof Justus Kerls zum Verkauf, der seiner Meinung nach bestens für die geplante Rettungsanstalt  geeignet war.

 

Zur Erinnerung wurde bei der Kapelle ein Gedenkstein errichtet.

 

(Quelle:  Detlef Herbst -  Die Rettungsanstalt für sittlich verwahrloste Kinder (Auszug)

http://www.volpriehausen.com/?page_id=446)